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Besuch bei Vinyes dels Aspres im Mai 2003Prolog
In den letzten Jahren habe ich immer wieder Stippvisiten bei den verschiedenen Kooperativen der Region oder den touristisch voll erschlossenen "Lagerverkäufen" von Castello de Peralada bzw. Oliveda in Capmany gemacht und wenig über die Weine der Region lernen können. Mein mittelmäßiges Spanisch macht es nicht unbedingt leicht spontan und ungefragt bei einem Winzer anzurufen und nach der Möglichkeit eines Besuchs zu fragen. Man kann sich in einem solchen Fall auch kaum sicher sein, ob eine solche "Visita turistica" überhaupt im Sinne des Winzers ist. Das was mir jedoch an diesem Tag erleben durfte ist kann ich nur als Volltreffer bezeichnen. Ich hatte zu Vorbereitung per eMail angefragt und die Mobilnummer des Kellermeisters bekommen mit dem Hinweis, ich sei willkommen. So weit, so gut. Anfahrt
Nach der Ortsdurchfahrt, kurz bevor man vom Rand der Welt hinunterfällt, sticht ein frisch gestrichenes Gebäude aus den hier üblichen unverputzten Häusern heraus. Unterm Giebel ein Gecko als Zeichen von "Vinyes dels Aspres". Wir parken auf dem gekiesten Innenhof des Anwesens und schauen uns etwas verunsichert um. Wir sind zu früh. Es ist überraschend heiß für diese Jahreszeit und die Sonne brennt auf die weiße Teutonen-Haut. Aus dem Inneren des Erdgeschosses plärrt ein katalanischer Radiosender Informationen heraus, die für einen eingeweihten Kreis von Katalanen verständlich sein können. Nach kurzer Zeit kommt uns ein junger Mann entgegen, schlank, gestutzter Vollbart, strahlendes Lächeln, und heißt uns in seinem Haus willkommen. Es ist Nestor Gracia, der Kellermeister von Vinyes dels Aspres. Wir gehen gemeinsam in den Vorraum des Kellers, wo zwei weitere junge Herren warten, die sich als Kellner und Sommelier des Restaurants "Empordà" in Figueres vorstellen. Besichtigung der LagenHervorstechenstes Merkmal dieses quirligen und enorm sympathischen Mannes ist das Feuer des Enthusiasmus das während der gesamten Zeit sein Gesicht herleuchtet hat. Wir besteigen zusammen mit Nestor seinen kleinen Kastenwagen und die Reise beginnt.
"Gleichzeitig sorgt aber dieser Boden für sehr mineralige und säurearme Weine, die typisch für die Region und vor allem für die Weine aus Cantallops sind. Die Bodega hat in diesem Jahr etwa 10.000 Flaschen erzeugt. Ziel ist es in den kommenden Jahren den Ausstoß auf 30.000 Flaschen zu erhöhen. Ein Ziel, das schon dieses Jahr erreicht werden sollte. Qualität ist aber für mich oberstes Gebot. In diesem Jahr ist die Qualität hervorragend, was mich sehr freut. Die Quantität ist aber eben nicht so wie erwartet, was meinen Chef betrübt." Vom Ertag der 35 ha werden bis zu 95% an das Castell de Peralada verkauft, wie es hier in der Region absolut üblich ist. "Die Preise sind lausig, aber dennoch gibt es uns die Möglichkeit, nur die besten Qualitäten unserer Weinberge für die Erzeugung eigener Weine zurück zu halten." Die Bodega ist noch sehr jung. Die Weinberge sind im Besitz der Familie die hinter dem Fleischkonzern "La Selva" (Schinkenprodukte) steht. Daher bezeichnet sich Nestor auch mit einem Augenzwinkern als einzigen Kellermeister, der sein Geld von der Fleischindustrie bekommt. Vor 6 Jahren haben Sie in den Besitz investiert, den Hof ausgebaut, die Kellertechnik weitestgehend auf den aktuellen Stand gebracht und Nestor gebeten, die Bodega zu leiten. "In der Gewinnzone sind wir noch nicht, aber der Laden trägt sich."
Wir erfahren etwas über die hiesigen Probleme mit der Feuchtigkeit und über den kalten Nordwind, den Tramuntana. Er ist der Grund, warum alle Weinberge der Region in exakter Nord-Süd-Ausrichtung stehen. Der starke Wind drückt die Reben in Laufe des Jahres deutlich sichtbar nach Süden. Im Frühjahr bleiben daher bei der Beschneidung der Rebstöcke eher drei oder vier Sprösslinge stehen, weil der Tramuntana mindestens einen Sprössling abknickt. Die alten, ursprünglichen Weinstöcke kann man an ihrer in dieser Region traditionelle Einzelpfahl-Erziehung gut erkennen. Auf unserem Weg zu den Neupflanzungen (zunächst ein größeres Feld mit Cabernet Sauvignon) erklärt Nestor uns eine neue Erziehungsform, die Espalderas (zu deutsch: Spalier-System). Bei dieser Erziehungsart werden Drahtsysteme an Holzpfählen entlang der Nord-Süd-Vorgabe des Tramuntanas aufgestellt, an denen die Reben ranken können. Dabei wechselt Nestor inzwischen von Holz- zu Metall-Spalieren die teilweise als "Y" ausgelegt sind. An diesen Systemen können die Reben normalerweise bis über 2m Höhe erzogen werden. "Auch hierbei ist der Tramuntana der limitierende Faktor. Bei uns ist bei 1,80m Schluss." Die Neupflanzungen erfolgten alle nach der Übernahme der Weinberge durch "La Selva" und sind damit allesamt jünger als 6 Jahre. "Aus den Cabernet-Trauben erhalten wir etwa 900 Gramm. Das ist extrem wenig ... der Qualität zu liebe."
Im KellerUnser Weg führt zurück in die Bodega, wo uns Nestor die Anlagen zeigt. Auch wenn der kalte, technische Eindruck der Halle die touristische Romantik etwas stört, tut die Kühle dieser Produktionsstätte sehr gut. Ein Blick umher zeigt deutlich, dass alles hier sehr neu ist. Es gibt drei größere Stahltanks und zwei kleine, sowie eine Presse, die als einzige schon deutlich ihre Jahre zeigt. "Als wir vor 5 Jahren angefangen haben, wurde alles bis auf die Presse erneuert. Auch die soll im kommenden Jahr durch eine neue halb-automatische Presse ersetzt werden. Ich setze die Presse nicht gerne ein, weil die Qualität der Weine darunter leidet. Darum habe ich den Syrah auch mit den Füßen gepresst." Und wieder ist dieses Funkeln in Nestors Augen, das immer erscheint, wenn er von seinem Syrah spricht. Die Presse scheint tatsächlich überflüssig, denn bei "Vinyes dels Aspres" wird zur Zeit nur der Teil des Mostes verwendet, der durch das Eigengewicht der Trauben gewonnen werden kann. Die Anschaffung einer neuen Presse hat daher auch keine zentrale Bedeutung. Der Most, der durch die Pressung gewonnen werden kann, geht wie die überschüssigen Trauben an das Castell de Peralada. Über den Innenhof der Bodega gehen wir zurück in Richtung des plärrenden Radios und in einen Vorraum, der zumindest wieder den Hauch einer romantischen Vorstellung der Weinerzeugung zulässt. Selbst Beton ist hier heimeliger, als das kalte Metall. Dennoch überzeugt uns Nestor nicht nur von der beschränkten Hygiene dieser inzwischen stillgelegten Anlage, sonder vor allem von den Gefahren, denen man bei der Reinigung dieser Tanks ausgesetzt ist. Der Boden ist glitschig, es gibt keinen Bodenablauf, die Lichtverhältnisse sind katastrophal und richtig sauber bekommt man sie eben auch nicht. Ein kurzer Blick nach rechts zeigt das Labor in den wöchentlich der Reifegrad der Trauben überprüft wird. Hier findet sich jetzt auch die Quelle des katalanischen Redeflusses und Nestor greift beherzt zum Ausschalter. Wir kommen der Romantik näher. VerkostungEine Glastür führt über einen kurzen Gang tiefer in die eigentliche Keller-Anlage. Wir haben es geschafft. Dies ist der Anblick, der die Herzen der Weintrinker belebt. Vor uns stehen in einem verschachtelten und nahezu fensterlosen Labyrinth von Bruchstein- und Ziegel-Gewölben unterschiedlichste Fässer. Nestor greift zur obligatorischen Pipette und befüllt ein einfaches Verkostungsglas mit den verschiedenen Rotweinen der letzten und vorletzten Ernte. Diesmal zaubert der Syrah auch auf unsere Gesichter dieses faszinierte Leuchten. Wir finden Tabak, Pfeffer, Paprika, Vanille. Der Wein verspricht schon jetzt Großes. Schade, dass er - landesüblich - nur ein kleiner Teil des Rotweines sein wird.
Die Sonne brennt wieder unbarmherzig auf die Rancio-Ballons und unsere Köpfe ein, als wir die Keller verlassen und uns gemeinsam auf der großzügigen Terrasse der Bodega niederlassen. Nestor verschwindet kurz im Haus und fährt danach eine ganze Reihe unterschiedlichster Flaschen auf:
EpilogZum Abschluss darf ich Sie im Namen von Nestor Gracia herzlich nach Cantallops einladen. Sie erreichen ihn entweder über sein Mobiltelefon (00 34 606 050 652) oder per eMail (nestorsgracia@hotmail.com). Nestor spricht katalanisch, spanisch und englisch. Außer in der Erntezeit zwischen September und November freut er sich immer über interessierten Besuch. Mir bleibt nur noch mich bei Nestor für 4 wunderbare, interessante, abwechslungsreiche Stunden in den Bergen des Alt Empordà zu bedanken. Ich werde bestimmt wieder kommen. | ||||||||||||||||||||||||||||